KSL International Archery School of High Performance, was für ein schöner Name, da hat ein Werbefuzzi mitgewirkt...

KSL International Archery School of High Performance

Ich habe hier mal eine -aus physikalisch/biomechanischer Sicht- schlechte Website verlinkt. Normalerweise versuche ich das zu vermeiden. Aber hier ist ein hübsches Beispiel wie weit physikalisch-technisches Unverständnis reicht und gleichzeitig der Eindruck erweckt wird, eine allgemeingültige Beschreibung der Vorgänge zu liefern. Ich werde mich hier nur mit dem "Schußzyklus" beschäftigen, hier sind soviel Fehler enthalten, dass alle weiteren Folgerungen die aus diesem Modell gezogen werden, wertlos werden. Die überhebliche Überschrift spricht eigentlich schon Bände...

Stand:

Zitat:
"Lasst uns zuerst auf die Fußstellung schauen."
Und noch mehr Blablabla. Das Wichtigste, uralte Schützenweisheit : Die Füsse müssen parallel zueinander stehen (als ob sie auf Schmalspurgleisen stehen) ist nicht erwähnt: Steht man so, ist der Körper durch die Muskelspannung in den Waden bis zur Hüfte stabil. Die Gewichtsverteilung ist hupe, auch nicht kontrollierbar. Wenn der Schütze aufrecht steht, ergibt sie sich von alleine. Was unter Mindset und Set up steht, ist nichtssagendes Gerede, teilweise direkt verkehrt beschrieben. Wie sich der Betreffende konzentriert ist eine ganz persönliche Sache.

Set up

Der Schütze stellt sich gerade und aufrecht hin, so dass sich Fuß- Hüft- und Schultergelenke in einer senkrecht stehenden ebenen Ebene befinden, richtet bei der Vorspannung das Visier auf das Ziel aus, schließt die Augen, spannt den Bogen (natürlich ohne Pfeil), geht in den Anschlag, öffnet die Augen, und schaut, wo sein Visier steht. Jetzt ändert er die Fußstellung (die Richtung des gedanklich vorgestellten Schmalspurgleises) bis sich das Visier in seitlicher Richtung gesehen im Ziel befindet. Und dann markiert er seine Fußstellung. Er verdreht sich nicht in der Hüfte, denn diese Bewegung wird nur sehr schwer reproduziert werden können. Der stabile Stand und dieser geschilderte "Set up" ist sehr wichtig, denn es definiert die Lage des Schützen zu seiner Waffe. Im Gegensatz zum Gewehr und zur Pistole gibt es nämlich beim Bogen keinen Gewehrschaft, der die Lage des Rohres zur Visiereinrichtung (Kimme-Korn) definiert. Der Gewehrvergleich von Kisik Lee ist falsch. Einfach dummes Gerede ohne technischen Hintergrund

So hat der Schütze sein Set up für das aktuelle Schießen festgelegt, die Markierungen geben ihm für jede Passe die Sicherheit, die er braucht um u.U. notwendige Visierverstellungen vornehmen zu können.

Auszug

Zitat:
Das hintere Schulterblatt ist während des Setup zurückgenommen worden.
Unverständlich. Vor und zurücknehmen geht nicht. Ich gehe nicht davon aus, dass es Übersetzungsfehler sind, sondern einfach eine Nullaussage.
Zitat:
Die Sehne muss in einer geraden Linie bis etwa 5-7,5 cm unter das Kinn gezogen werden
Weshalb 5-7,5cm unter das Kinn und nicht direkt zum Anschlagpunkt? Weil das eine paar Berufsschützen so tun und sich der Trainer in ihren Erfolgen sonnen will? Das ist dummes Zeug. Man kommt sofort dahinter, wenn man verschiedene esoterische Merksätze durchdenkt.

Damit reiht sich der Schreiber würdig in die Reihe der Dumpfgläubigen ein, die meinen, dass Homöopathie medizinisch hilft und Kinesiologie, Telepathie, Bach Blüten Therapie und was es da noch so an Aberglauben gibt, irgendwann, irgendwo ihre Wirksamkeit bewiesen hätten:

Das Argument, "wer heilt hat recht" ist Unsinn

Als Marginalie:
Dieser Abstand entspricht ungefähr einer Vergrößerung des Visierwinkels um 6°, wenn man die Länge der Visierlinie zu 0,8m annimmt. Würde der Schütze in diesem Moment lösen, dann flöge der Pfeil ca 6m über die 70m Scheibe, nur so über den Daumen gepeilt....
Und das hat Auswirkungen auf die Sicherheitszone... Zur Einstimmung darauf geht es hier weiter.

Was aber viel schlimmer an dieser Aussage ist, habe ich gefettet.

Diese gefettete Aussage zeigt die Unkenntnis und das Unvermögen dieses Trainers, sich mit den Gesetzen der Mechanik und der Kinematik analytisch auseinander zu setzen. Dieses Vorgehen bewirkt, dass die Zughand im Handgelenk abgewinkelt wird und so Drehmomente in diesem Gelenk und im Zugellenbogen generiert werden:
Diese Drehmomente sind sehr hoch, vor allen Dingen während der Mitte der Spannphase und werden entsprechend hohe Kräfte erzeugen. Jedem Mechaniker müssen diese Zusammenhänge auffallen, kann mir jemand erklären, was der Physiker, der Lee beraten haben soll, eigentlich getan hat?
Zitat:
"Das Gesetz der Beschleunigung ist vom Beginn des Zuges in Kraft."
Eine selten dämliche Bemerkung. Die "Beschleunigungen" beim Spannen sind so klein, dass Massenkräfte nicht auftreten. Alle Kräfte beim Spannen sind quasistatisch. Ob der Schütze schneller oder langsamer spannt, spielt da keine Rolle
Nochmal dummes Zeug. Zitat:
Beim Auszug sollen die Finger und der ziehende Unterarm so wenig Spannung wie möglich haben.
Die Finger werden durch die Beugemuskeln in ihrer Lage gehalten, bis der biologische Rechner das Kommando gibt, zu lösen. Diese Kräfte sind unbeeinflussbar. Der Zugunterarm nimmt Zugkräfte auf, die ebenfalls unbeeinflussbar sind.
Hier das Kraftvieleck beim Spannen:

Ankern

Das einzige Positive in diesem Absatz ist die Erkenntnis bei Kisik Lee, dass der Ausdruck "Anker" psychologisch falsch ist, weil er etwas "Statisches" suggeriert, obwohl auch im Anschlag Bewegungen erfolgen müssen. Diese Bewegungen erfolgen sogar mit relativ hoher Geschwindigkeit (0,5-1cm/s). Dafür liegen Meßwerte einer Hochleistungsschützin vor. Der Rest ist falsches, dummes Geschwurbel, das noch nicht mal kommentierfähig ist. Es gibt nichts zu transferieren.

Zitat:
"Zusätzlich sollte der ziehende Ellenbogen, wenn wir ihn direkt von oben betrachten, in einer Linie mit dem Pfeil sein."
Ach ja? Nur... Das hängt von den individuellen kinematischen Verhältnissen des Schützen ab. Es ist sogar möglich, Kinder zu untersuchen, ob sie auf Grund ihres Körperbaues besonders zum Bogenschießen geeignet sind. Aber diese Größen sind nicht beeinflussbar und deshalb ist diese Aussage auch sinnleer.

Laden/Transfer zum Halten

Zitat:
...eine schnelle Sichtkontrolle der Klicker-Position auf dem Pfeil durchzuführen,...
Eine der dümmsten, veralteten Ratschläge, die ich aus dem Bogensport kenne. Damit wird des Selbstvertrauen des Schützen untergraben, und der Regelkreis des Zielens, Spannens und Lösens unterbrochen:
Zu dem Zeitpunkt weiß das Unbewußte bereits, wann der Klicker fällt und dass dann das Visierbild stimmt. Diese Aussage beruht auf mittlerweile alten Forschungen der Neurobiologie. Herr Kisik Lee hätte sich informieren sollen.

Zitat: weil die Sehne nicht allein durch die Rückenmuskeln zurückgezogen werden kann. Deshalb müssen wir uns etwas Zeit nehmen, um die unerwünschte Last von den Oberarm-, Unterarm- und Handmuskeln auf die unteren Rückenmuskeln zu übertragen.
Das ist grottenfalsch. Die Sehne kann von Anfang bis Ende mit den starken Rückenmuskeln gespannt werden. Wenn aus anthropometrischen Verhältnissen dann die Zughand zum Anschlag gebracht werden muß, und die dazunotwendigen Drehmomente durch den sog. "Transfer" irgendwie esoterisch geheim in die Rückenspannung überführt werden, kommen diese -sehr unschönen- Effekte zum Tragen...
Das Spannen mit den Rückenmuskeln ist mit einem extrem einfachen Versuch mit dem Theraband nachzuweisen:

Indem Du Bogen- und Zugarm um die Schultergelenke drehst. Es ist ganz einfach mit dem Theraband das zu demonstrieren und zu üben:
Du nimmst das Theraband doppelt und legst in die entstehende Schlaufe den Zugellenbogen. Die beiden Enden nimmst Du in die Bogenhand. Die Finger der Zughand formst Du zu einem Kreis der das Theraband umschließt, aber nicht festhält. Den Daumen oder Zeigefinger der Bogenhand nimmst Du als "Visierkorn", mit der restlichen Fingern hälst Du das Theraband, richtest Dein "Visierkorn" auf das "Ziel" und spannst. Das geht auf der Zugseite logischerweise nur über die Rückenmuskulatur, auf der Bogenseite kannst Du genauso den Bogenoberarm drehen, natürlich nicht über den großen Winkelbereich des Zugarmes. Das ist eine erstklassige Übung, das Spannen des Bogens zu üben. Der nächste Schritt wäre dann, das gleiche mit einem leichten Bogen zu tun.

Zielen & Expansion (Endauszug)

Zitat:
Das Zielen beginnt erst NACH der Transfer-/Lade-Phase (wenn wir das Halten erreicht haben) NICHT VORHER! Die Idealzeit vom Halten bis zum Lösen liegt zwischen ein und drei Sekunden für beste Ergebnisse.
Kisik Lee liefert für diese Behauptungen keine Beweise. Es gibt aber sehr starke Hinweise, dass das Unbewußte schon weit vorher aktiv ist. Der Regelkreis des "Spannens,Zielens Lösens" beginnt spätestens nach dem Voranschlag. Das nennt man Antizipation. Die Zusammenhänge sind hier beschrieben.
Zitat:
Konsequenterweise, wenn sich die Aufmerksamkeit komplett auf das Zielen richten würde, ginge die Verbindung zur Rückenspannung verloren. Offensichtlich ist etwas Zielen nötig, aber das sollte mehr unterbewusst als bewusst gemacht werden.
Selbstverständlich ist der Zielvorgang vollständig im Unbewußten. Die Konzentration richtet sich auf das Visierbild (Sehne/Diopter-Visierkorn-Ziel und das Spannen. Alles andere regelt das Unbewußte viel schneller und genauer als das Bewußtsein.

Der Rest ist esoterisches Geschwätz, ohne Gewinn für die Ausbildung. Die Rückenspannung wird kontinuierlich erhöht, und das war es dann schon. Ein "Lösen" oder "Übergeben" oder "Transferieren" irgendwelcher Spannungen im Zughandgelenk oder Zugellbogengelenk im Moment des Lösens oder kurz davor wird unbeobachtbare Zielfehler hervorrufen. Die Aussage, dass sich die Sehne während des Spannens nicht bewegt ist dummes Zeug, Geschwindigkeitsmessungen beweisen das Gegenteil, nämlich sogar relativ hohe Zuggeschwindigkeiten in der Endphase des Spannens. Genauso ist die Aussage der "Expansion" 50/50 Unsinn, aber nicht überprüfbar, wie das restliche Gerede.

Lösen

Zitat:
Die Sehne muss durch totales Entspannen der Zugfinger gelöst werden, was die Sehne freigibt
Jo,jo. Das Gehirn gibt unbewußt die Beugemuskeln frei und die Primärdurchbiegung des Pfeiles "dreht" die Finger aus der Bewegungsrichtung heraus. Das war's schon, was über das ideale Lösen zu sagen wäre.

Zitat:
Das Auslösen des Klickers ist eine Phase des Schusses, die geahnt oder gefühlt werden muss, nicht erlauscht. Dies mag ein schwierig zu verstehendes Konzept sein...
Das ist sogar sehr einfach zu verstehen, wenn man akzeptiert, dass das Unbewußte schon weit vorher, bereits in einer Phase, in der Kisik Lee meint, dass da noch nicht gezielt wird, weiß, wann der Klicker fällt. Nachzulesen bei hödur/ullr/cnentwig.

Das Nachhalten

Das Nachhalten sollte die natürliche Bewegung von Bogenarm/Zugarm, die sich aus der fortbestehenden Muskelspannung der Rückenmuskeln ergibt,unterstützen. Es werden Drehmomente frei, weil die Gegenmomente, aufgebracht durch die Federkraft des Bogens weggefallen sind, und die sich daher in einer Drehbeschleunigung von Zug- und Bogenarm auswirken. Nachhalten unterstützt diese Bewegung etwas und sorgt dafür, dass der Schütze das einzig brauchbare Feedback über den gerade exekutierten Schuß erhält. Daraus kann er Rückschlüsse ziehen.

Zusammenfassung

Wie alle anderen menschlichen Bewegungen (Laufen, Springen, Werfen, Turnen) ist auch das Schießen biomechanisch beschreibbar. Die KSL Aussagen richten sich in extrem wenig Punkten an diesen physikalischen Aussagen aus. Deshalb sind sie auch nur in sehr wenigen Fällen anwendbar. In den meisten Fällen sind sie heiße Luft, die auch nicht gehaltvoller wird wenn sie -von wem auch immer- weitergeblasen wird. Es gibt im Netz ein Lehrbuch, das ist als pdf Datei frei herunterladbar:
"Orthopädische Biomechanik" Brinkmann, Frobin, Leivseth, Drerup der Westfälischen Wilhelm Universität Münster.
Das empfehle ich allen zur Lektüre bevor sie mit Ausdrücken wie "High Performance" "International School" um sich werfen...

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